Das Gebäude - ein Ort lebendiger Geschichte

Der Standort des heutigen Gesundheitscampus hat eine ereignisreiche Historie.

Aus dem Spital wird das städtische Krankenhaus

Schon im Mittelalter entstanden in Säckingen Einrichtungen zur Krankenpflege. Mehrere Hundert Jahre lang befand sich ein Krankenhaus in der Fischergasse, bevor es 1863 in die heutige Spitalgasse 12 (St. Josefshaus, AWO) umzog. 

Da dieses Haus den wachsenden Anforderungen bald nicht mehr genügte, fasste die Stadt Säckingen den Entschluss, ein neues, größeres Krankenhaus zu bauen. 1894 konnte der Neubau in der Unteren Flüh in Betrieb genommen werden. 

Das oben abgebildete Bild zeigt das städtische Krankenhaus in der Unteren Flüh, etwa im Jahr 1913.

Schon bald wurden zusätzliche Anbauten an das Krankenhaus nötig, aber auch diese reichten nicht mehr aus, so dass ab 1941 die nahegelegene Villa Berberich mitverwendet wurde und 1953 in der Villa Bies eine HNO- und Augenklinik eingerichtet wurde. 1967 entstand dann noch ein weiterer Anbau für die gynäkologische Abteilung.
Immer deutlicher zeichnete sich ab, dass sich das alte, verbaute und auf drei Gebäude verteilte Krankenhaus für eine moderne, zeigemäße Patientenversorgung nicht mehr eignete, und der Ruf nach Verbesserungen wurde immer lauter.

Das städtische Krankenhaus in den 1930er Jahren. Das Gebäude mit seinen Erweiterungsbauten wurde 1982 abgebrochen. An seiner Stelle befindet sich heute das Sigma-Zentrum (Untere Flüh/Weihermatten).

Vom städtischen Krankenhaus zum Kreiskrankenhaus

Zu Beginn der 1960er Jahre wurde im damaligen Landkreis Säckingen über die Zukunft der stationären Krankenversorgung diskutiert. Landrat Otto Bischoff und die Kreisräte sahen für diese überörtliche Aufgabe den Kreis in der Pflicht. 

Mit Wirkung vom 1. Januar 1965 ging das städtische Krankenhaus in die Trägerschaft des Kreises Säckingen über. Das Haus sollte grundlegend saniert und zu einem Schwerpunktkrankenhaus mit zunächst 280 Betten ausgebaut werden. Eine Abteilung für Kinderheilkunde mit weiteren 70 Betten wurde in Aussicht gestellt. 1971 setzte sich die Überzeugung durch, dass ein Neubau unumgänglich war.

Als geeignetes Baugelände fasste man einen Bereich in der Oberen Flüh ins Auge. Die Stadt Säckingen trat das Baugelände kostenlos an den Landkreis ab. Die ersten Vorbereitungen wurden dann noch einmal durch die Kreisreform 1972 durcheinandergewirbelt, die dazu führte, dass der Kreis Säckingen aufgelöst und die Stadt Säckingen dem Landkreis Waldshut zugeschlagen wurde. Doch der Waldshuter Landrat Norbert Nothelfer und der Waldshuter Kreistag standen hinter dem Projekt und sahen im Säckinger Krankenhausneubau eine ihrer vordringlichsten Aufgaben. 

Es folgten einige Jahre des Kampfes, des Hoffens und Bangens. Immer wieder wurde die Aufnahme des Vorhabens in das Landesbauprogramm abgelehnt, teilweise wurde - mit Blick auf das neue Kreiskrankenhaus in Rheinfelden (Baden) - die Notwendigkeit eines Neubaus in Säckingen sogar vollkommen in Frage gestellt. Erst nach einer deutlichen Reduzierung der geplanten Bettenzahl auf 198 konnte schließlich am 6. Juli 1977 der Erste Spatenstich durch Wirtschaftsminister Rudolf Eberle erfolgen.

Bevor die ersten Bauarbeiten beginnen konnten, musste der Bauernhof der Familie Hauss abgebrochen werden. Das Gebäude war 1892 von Alfred Klingele erbaut worden, der dort eine „Anstalt für natürliche Erziehung“ für Knaben betrieb und war 1909 an Karl Hauss übergegangen. 

Beim Neubau des Kindergartens St. Christophorus auf dem Gelände des Gesundheitscampus stieß man 2020 noch auf Fundamente dieses alten Anwesens. 

Der Neubau des Kreiskrankenhauses

Als die Bauarbeiten für das neue Kreiskrankenhaus 1977 begannen, war auf der Schneckenhalde bereits das Kurzentrum entstanden. Ein weiterer Vorteil, der für diesen Krankenhausstandort sprach.

Das oben stehende Bild zeigt die Baugrube für das Kreiskrankenhaus in unmittelbarer Nähe zum Kurmittelzentrum.

1980 war das neue Kreiskrankenhaus fertiggestellt. Die Pläne stammten aus dem Planungsbüro der Architekten „Heinle, Wischer und Partner“ in Stuttgart. Entstanden war ein „Krankenhaus im Grünen“. Die Brüstungen wurden extra niedrig gehalten, damit die liegenden Patientinnen und Patienten nach draußen ins Grüne schauen konnten.

Am Wochenende des 21. und 22. Juni 1980 boten zwei „Tage der offenen Tür“ die Gelegenheit, das neue Krankenhaus zu besichtigen. Die über 15.000 Besucherinnen und Besucher waren voll des Lobes. Überall machte der Begriff vom „humanen Krankenhaus“ die Runde.
Es war nicht nur gelungen, das Gebäude hervorragend in die umgebende Landschaft, den Park und das bestehende Kurzentrum einzubinden, sondern auch das Innere des Hauses übertraf alle Erwartungen und schuf eine freundliche, positive Atmosphäre. Dazu trugen vor allem die verwendeten Baumaterialien, viel Holz und Glas, bei, sowie die gelungene Raumaufteilung, die künstlerischen Akzente und die hohen Standards.

Im neuen Krankenhaus gab es nur noch Zweibettzimmer auf Hotelniveau und die medizinischen Einrichtungen entsprachen dem neuesten Stand der Technik. Sogar eine bisher schmerzlich vermisste Intensivstation war nun vorhanden.

So waren alle Voraussetzungen gegeben, dass Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger sowie das gesamte übrige Personal hier mit Freude und Erfolg ihrer Arbeit nachgehen konnten. Und für die Patientinnen und Patienten hoffte man, dass sie nach einem kurzen, angenehmen Aufenthalt in diesem besonderen Haus alle wieder gesund entlassen werden konnten.

Vom Kreiskrankenhaus zum Spital Bad Säckingen

Am 1. Juli 1980 erfolgte der Umzug vom alten ins neue Krankenhaus. Nach zweieinhalb Stunden waren alle 106 Patientinnen und Patienten in ihren neuen Zimmern angekommen.

Die Patientenzimmer waren freundlich und modern gestaltet, jedes verfügte über eine eigene Dusch/WC-Zelle. Mehrere Aufenthaltsbereiche schufen eine wohnliche Atmosphäre. Das Gestaltungskonzept, Material, Form, Farbe und Licht trugen dazu bei, dass man das neue Kreiskrankenhaus als „menschliches Krankenhaus“ empfand. Ein Haus, in welchem der Mensch das Maß aller Dinge sein sollte, wie bei der Weihe am 26. Juni 1980 betont wurde.

Die Fassade sollte preisgünstig, pflegeleicht, wärmegedämmt und sonnengeschützt sein. Gleichzeitig aber auch gut proportioniert, offen und den Bad Säckinger Gewohnheiten angepasst.

Die Entwicklungen im Gesundheitswesen führten dazu, dass das Krankenhaus immer stärker unter Kostendruck geriet. So wurde beispielsweise nach dem Jahr 2000 eine neue Abrechnungsweise eingeführt. Während bisher die Aufenthaltsdauer als Grundlage für die Rechnungen diente, ging man nun von festgelegten Fallpauschalen aus. Auch die steigenden Personal- und Materialkosten machten sich im Finanzhaushalt bemerkbar.
Aber trotz aller finanzieller Probleme des Kreiskrankenhauses versicherte der Waldshuter Landrat Bernhard Wütz damals: „Der Kreis steht zu diesem Krankenhaus“.

In der Hoffnung auf Kostendämpfung durch Synergieeffekte trat das Krankenhaus 2004 dem Gesundheitsverbund Hegau-Bodensee-Hochrhein-Kliniken bei. Da die nahegelegene Hochrheinklinik ebenfalls diesem Verbund angehörte, konnte man sich nun ein gemeinsames Labor teilen, eine gemeinsame Küche betreiben und auch Teile der Verwaltung zusammenlegen.
Dennoch wurde im folgenden Jahr anlässlich des 25jährigen Jubiläums des Krankenhauses öffentlich in Frage gestellt, ob die Klinik wohl ihren fünfzigsten Jahrestag auch noch erleben würde.

Nachdem der Klinikverbund Hegau-Bodensee-Hochrhein kurz vor der Insolvenz gestanden hatte, löste man das Säckinger Krankenhaus zum 1.1.2011 aus dem Verbund heraus und gründete die „Spitäler Hochrhein GmbH“. Betreiber waren der Landkreis Waldshut mit dem Säckinger Krankenhaus und der Spitalfonds Waldshut mit seinem Krankenhaus.

Das ehemalige Kreiskrankenhaus firmierte ab jetzt als „Spital Bad Säckingen“.

Vom Spital zum Gesundheitscampus

Seit dem Neuanfang in der „Spitäler Hochrhein GmbH“ 2011 herrschte im Spital Bad Säckingen eine regelrechte Aufbruchsstimmung. Der Landkreis war bereit, mehrere Millionen Euro in ein umfangreiches Sanierungsprogramm zu investieren. Ganz oben auf der Prioritätenliste standen Brandschutzmaßnahmen, aber auch die Patientenzimmer und Nasszellen wurden modernisiert und besser ausgestattet.

Eine der ersten Sanierungsmaßnahmen betraf die Eingangshalle, die man inzwischen als „ungemütlich“ empfand, zumal es durch das undichte Glasdach hineinregnete.

Der neu gestaltete leuchtend rote Eingang wurde zum äußeren Symbol dafür, dass im Bad Säckinger Spital eine neue Zeit angefangen hatte und man hoffnungsvoll in die Zukunft blickte.

Das nebenstehende Foto stammt von Karl Braun.

Eine Ära endet.

Doch trotz aller Anstrengungen gelang es nicht, das Spital aus den roten Zahlen herauszuführen, während das Krankenhaus in Waldshut Gewinne erwirtschaftete. Bereits 2013 wurden Stimmen laut, die eine Schließung der Bad Säckinger Klinik für denkbar hielten. Als 2015 ein Gutachten bekannt wurde, das die Schließung beider Krankenhäuser und die Errichtung eines Zentralklinikums im Landkreis Waldshut empfahl, begann der Kampf um die Erhaltung des Spitals Bad Säckingen, an welchem sich auch der Krankenhausförderverein und die Bürgerinitiative „Pro Spital“ mit sehr großem Einsatz beteiligten.

Stockende Sanierungsmaßnahmen, Schließung von Abteilungen, die Verlegung des OP-Bereichs und von Teilen des Personals nach Waldshut: All dies verhärtete die Fronten und drohte zu einem Bruch zwischen dem westlichen und dem östlichen Teil des Landkreises zu führen. Die weiterhin sehr hohen Verluste und die unsichere Zukunft des Spitals bewirkten außerdem eine signifikante Abwanderung von Ärztinnen und Ärzte sowie weiterem Fachpersonal.

Am 8. November 2017 beschloss der Kreistag die Schließung des Bad Säckinger Spitals zum Ende des Jahres. Gleichzeitig wurde der Aufbau eines Gesundheitscampus für die ambulante Versorgung in Bad Säckingen beschlossen. Auf diese Weise sollte immerhin der Gesundheitsstandort erhalten bleiben, mit zahlreichen Angeboten aus den Bereichen Medizin und Pflege.

Die Schließung des Spitals Bad Säckingen zum 31.12.2017 war ein tiefer Einschnitt in die Gesundheitsversorgung der Stadt und der Region. Mit der Entwicklung und dem Umbau des ehemaligen Spitals zum Gesundheitscampus geht die Stadt neue Wege. Zur Stärkung des Gesundheitsstandorts Bad Säckingen und zum Wohl der Menschen.

Ab hier übernimmt der Campus

Erfahren Sie, was seit der Schließung des Spitals mit dem Gesundheitscampus geschehen ist.